Leseprobe - Das Feld räumen


 

Johann Lippet Das Feld räumen

Ohne Zahlen geht?s nicht, sagten die Leute und wanderten, nachdem der Staat ihnen ihr ganzes Vermögen abgeknöpft hatte, mit Schulden beladen aus, denn das Geld für die Bestechung in Valuta war von Verwandten aus Deutschland geliehen, die einen Kredit aufgenommen hatten. 

 

Es war ein strahlender Wintermorgen, von den wenigen Akazienbäumen, die noch die Gasse säumten, war der Raureif gefallen, und die Äste glänzten. Die Gassen von Wiseschdia waren auch jetzt in den Wintermonaten menschenleer, denn es gab kaum noch Kinder im Dorf, die wie früher herumtollten. Es herrschte eine Stille, die etwas Bedrückendes hatte, und wären da nicht die Sonntage gewesen, an denen sich die Männer noch im Dorfwirtshaus trafen, hätte man glauben können, das Dorf sei ausgestorben.

 

Peter Potje war für die Lehnert Kinder, die ihn Batschi nannten, so etwas wie ein Ersatzgroßvater gewesen, der wunderbar von früher erzählen konnte. Die Bettendorf Urgroßeltern hatten nicht diese herzliche Art, und Hilde konnte sich an nichts in ihrer Beziehung zu ihnen  erinnern, was sie auch heute noch bewegt hätte. Auch zu deren unverheiratet gebliebener Tochter Elisabeth bestand keine innige Beziehung. Sie hatte bis zuletzt an die Rückkehr ihres unehelichen Sohnes aus dem Krieg geglaubt und war durch den Sturz in einen Brunnen ums Leben gekommen.

 

Er hatte es nicht verhindern können, denn sie hatte das Kreuz damals mitfinanziert, außerdem erlaubte es die Kirche nach dem Tode des Mannes noch einmal zu heiraten. Der Vater hatte ihr daraufhin ein glückliches Wiedersehen mit ihrem zweiten Mann gewünscht. Der hatte sich nach dem Krieg von der Familie losgesagt und war in Deutschland geblieben. Zu ihm waren die Großmutter und der Onkel im Rahmen der Familienzusammenführung ausgewandert. Nun könne sich das Versprechen von selbst einlösen, das er der Großmutter Anna Lehnert hatte geben müssen, seine Mutter nicht im Familiengrab der Lehnert beisetzen zu lassen, hatte der Vater gesagt.

 

Anton hatte seine Arbeit gemacht und stellte den Tannenbaum in der hinteren Küche ab. Dort hatte Hilde den Christbaumschmuck sortiert auf den Tisch gelegt. Das Schmücken hätte eigentlich im vorderen Zimmer erfolgen sollen, wo der prachtvolle Baum vor den zwei Fenstern zur Gasse hin seinen festen Platz hatte, aber dort schlief Wolfgang, in der vorderen Küche wiederum war es zu eng.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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